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Elf Jahre ist es mittlerweile her, dass wir zuletzt auf Sardinien waren. Elf Jahre in denen sich einiges verändert hat. An der Küste sind aus ehemaligen Dörfern mit einigen Häusern, einzelnen Restaurants und einem Tante-Emma-Laden inzwischen lebendige Kleinstädte mit zahlreichen Restaurants, Bars, Supermärkten, umfangreichem Shopping- und Freizeitangebot geworden. Natürlich hat sich dadurch auch die Zahl der Touristen erhöht. An manchen Stränden kann es deshalb auch schon mal eng werden. Die außergewöhnliche Schönheit Sardiniens ist schon lange kein Geheimtipp mehr. 90% der Urlauber sind jedoch immer noch Italiener, ein paar Deutsche, wenige Franzosen und Schweizer.
Wer zum ersten mal nach Sardinien kommt wir begeistert sein von den bizarr geformten Felsen, den hellen Sandstränden, manchmal weitläufig und breit, dann wieder nur kleine Buchten. Für mich bislang unerreicht ist vor allem das klare Wasser dass einem in unterschiedlichsten Blautönen entgegenstrahlt und zum Baden und Schnorcheln einlädt. Das Hinterland ist bergig, mal überzogen von Macchia oder Pinien- oder Korkeichenwäldern, dann wieder karg und felsig.
Wir haben San Giovanni, nahe Posada im Nordosten der Insel als Ferienort ausgewählt. Der Tourismus beschränkt sich hier auf Ferienhäuser und Ferienwohnungen die alle nahe zum Meer sind. Der Strand ist feinsandig, weitläufig und flach abfallend, ideal auch für Kleinkinder. Die Bucht erstreckt sich über ca. 5 km und bietet Gelegenheit für ausgedehnte Strandwanderungen und ein ungestörtes Sonnenbad. Es gibt 3 Restaurants, ein Geschäft für den täglichen Bedarf, einen Kiosk und eine Eisdiele/Bar. Am Sonntag Vormittag findet jede Woche ein Markt statt. Wer etwas mehr Rummel möchte kann ins nahe La Caletta fahren, dass sich im Süden an San Giovanni anschließt. Dort gibt es Night-Life, Bummel-Meile, Einkaufsmöglichkeiten, Unterhaltungsangebot, einen Yacht- und Fischereihafen.
Zwei der Restaurants und die Eisdiele in San Giovanni haben wir ausprobiert. Das Ristorante Pizzeria Su Nuraghe am Piazza Sardegna 1 ist nicht unbedingt zu empfehlen. Es waren nur wenige Gäste an dem Abend, überwiegend Deutsche. Die Pizza war groß und sah optisch recht gut aus, ein italienisches Pärchen ließ jedoch die halbe Pizza zurückgehen. Wir hatten Fisch und Tintenfisch. Der Fisch war geschmacklich eher fad und der Tintenfisch war sehr trocken. Unverschämt fanden wir für unseren einjährigen Sohn ein Coperto zu verlangen. In der Trattoria La Taratuga direkt am Strand waren wir die einzigen Essens-Gäste. Die Preise sind etwas höher, die Portionen klein und auf mehrere Gänge ausgerichtet. Geschmacklich waren wir zufrieden und es gab Mönchshof-Bier aus Kulmbach in Bayern (klasse)! Auch einige Sarden an der Theke sind von dem Bier begeistert gewesen und kommen anscheinend jeden Abend für einen Schlummer-Trunk in die Trattoria. Hier erfahren wir auch, dass auf Sardinen eher Bier als Wein getrunken wird. Aber auch das sardische Bier Ichnusa ist nicht schlecht. Ganz im Gegensatz zu den meisten italienischen Bieren, die unseren bayrischen bierverwöhnten Gaumen eher beleidigen. Die Eisdiele und Disco-Bar La Fragola ist eher nicht zu empfehlen. Geschmacklich stellten wir uns unter italienischem Eis etwas anderes vor. Der Coppa Fragola bestand aus je einer Kugel Erdbere, Vanille und Zitrone mit einem Spritzer Erdbeersoße. Das Ganze für 5 Euro empfanden wir als Abzocke. Zu empfehlen ist das Ristorante Bar - Pizzeria Lu Nibaru direkt am Strand im ca. 10 km entfernten Budoni. Dort sind wir dann auch mehrmals gewesen. Das Ristorante war immer sehr gut besucht, einmalig sind die Spaghetti con Cozze. Sehr entspannend für die Eltern ist auch, dass die Kinder ohne Gefahr am weitläufigen Strand von Budoni toben konnten.
Die Sarden waren und sind teilweise heute noch ein armes Volk von Schafhirten. Deshalb ist die Sardische Küche sehr einfach. Bekannt sind vor allem die aus Schafmilch erzeugten Käse Ricotta und Pecorino. Brot wird als dünne Fladen „pane carasau", hart gebacken, sodass es mehrere Wochen haltbar ist und die Hirten es auf Ihre langen Wanderungen mitnehmen konnten. Es muss so dünn sein, dass die Sonne durchscheinen kann. An Festtagen wird das pane kokkoi, kunstvoll verzierte Brötchen, gebacken. Auch zu Festlichkeiten wird Lamm, Spanferkel oder Ziege am offen Feuer am Spieß gebraten. Oder „al carraxio" in einem Erdloch mit allerlei Kräutern über viele Stunden hinweg gegart. Der Sardische Wein ist besser als sein Ruf. Der schwere, rubinrote Cannonau mit reifen fruchtigen Noten, oder der weiße Vermentiono di Gallura sind typische Weine für Sardinien.
San Giovanni ist ein zentraler Standort für Ausflüge in den Nordosten Sardiniens. Die Barbagia-Hauptstadt Nuoro ist ca. 60 km entfernt und schnell via Autobahn zu erreichen. Die Barbagia zeigt das Gesicht des ursprünglichen, wahren Sardinien. Ein armes Land von Schafhirten, ein verschwiegener, trotziger Menschenschlag, der Jahrhunderte lang unter der Herrschaft von Byzantinern, Spaniern oder den Stadtfürsten von Genua und Pisa standen. Die Insel wurde immer wieder von Eroberern und Plünderern aufgesucht. Überall auf der findet man die sog. Nuraghen aus der Zeit von 1.800 bis 300 v. Chr. Nuraghen sind Rundtürme aus grob behauenen Felsblöcken, ohne Mörtel aufgeschichtet und bis zu 20 m hoch. Sie dienten vermutlich als Festungen, Wachtürme und Grabstätten. Das leben auf Sardinien war hart, die Männer fast immer draußen in bergiger Wildnis beim Vieh. Die Dörfer in Frauenhand, die nicht minder hart arbeiten mussten. Dörfer in denen teilweise heute noch bereits seit Jahrzehnten Krieg zwischen den Familien herrscht und die Blutrache immer noch allgegenwärtig ist. Blut kann nur mit Blut vergolten werden, heißt das Gesetz der Barbagia und so werden Morde auch heute noch mit Mord vergolten. Ein Teufelskreis, den auch der Staat bzw. die Polizei bis heute kein Ende setzen konnte. Als außen stehender Tourist merkt man allerdings nichts und genießt die wildromantische Berglandschaft, häufig umgeben von Korkeichenwälder. Nicht entgehen lassen sollte man sich auch den Ausblick vom 955 m hohen Monte Ortobene, der östlich von Nuoro aufragt.
Südlich von San Giovanni schließen sich hübsche Badeorte mit ausgedehnten Sandbuchten an. La Caletta, S. Lucia und weiter südlich der Golfo di Orosei. Direkt bei Orosei ebenfalls mit einer weiten Sandbucht, weiter südlich bei Dorgali ragen die Felsen direkt vom Meer steil auf, dazwischen immer wieder malerische Sandbuchten, wie z.B. die Cala Gonone, ein kleiner beliebter Badeort, der über ein kurvenreiches Sträßchen auch mit dem Auto erreicht werden kann. Die meisten Buchten, wie Cala Luna, Cala Sisine oder die Cala Goloritze sind nur vom Meer aus erreichbar. Eine Besonderheit dieses Küstenabschnittes sind die eindrucksvollen Tropfsteinhöhlen wie die Grotta del Bue Marino und die Grotta Ispinigoli. Wer kein eigenes Boot sein eigen nennt kann von La Caletta aus einen Bootsausflug zu den zu den bekanntesten Stränden und Grotten buchen. Im Hinterland befindet sich das Supramonte, ein lang gezogenes Kalksteinmassiv, das für Kletterer und Bergwanderer einige Herausforderungen in eindrucksvoller Natur bereithält.
Ca. 60 km nördlich von San Giovanni, 15 km oberhalb von Olbia beginnt die Costa Smeralda. Die Smaragdküste, exklusiver Treffpunkt der High Society, ist das beliebteste Urlaubsgebiet Sardiniens. Berühmt für Ihre hellen, feinsandigen Strände, dass türkisfarben leuchtende Meer und bizarre Granitfelsen. Vor ca. 40 Jahren erkannte Prinz Aga Khan die Schönheit dieses Küstenstreifens, erwarb das Land von den Bauern und schuf eines der exklusivsten Feriengebiete des Mittelmeeres. Porto Cervo ist das mondäne Zentrum der Costa Smeralda mit einem der größten und luxuriösesten Jachthafen des Mittelmeeres. Sehr aufstrebend ist auch der hübsche Ferienort Baia Sardinia. In den letzten Jahren wurde viel gebaut und inzwischen gibt es auch Hotels und Ferienwohnungen zu einigermaßen erschwinglichen Preisen. Als wir vor 11 Jahren zum ersten mal hier waren, war es kein Problem eine kleine einsame Bucht, die von der Straße aus mit einem kurzen Marsch erreichbar war zu finden. Dieses Jahr war das schon schwieriger, an vielen der kleinen Buchten sind Ferienanlagen oder private Villen mit eigenem Strand entstanden. An den einfach zu erreichenden Stränden tummeln sich eine Vielzahl von Urlaubern. Mit einem Boot ist man hier König, denn es gibt noch eine Vielzahl von kleinen Stränden, die nur vom Wasser aus erreichbar sind. Nördlich von Cannigione in Richtung Palau gibt es noch einige Strände, die nicht sehr überlaufen sind. Hier haben wir auch einen kleinen abgeschiedenen Abschnitt nur für uns gefunden, der herrlich zum Baden und Schnorcheln war.
Drei Kilometer hinter San Giovanni befindet sich der an einem Hügel erbaute Hauptort Posada, der eine malerische Altstadt hat. Über allem thront eine alte, halb verfallene Burg. Der Turm kann noch bestiegen werden und bietet eine Super-Aussicht. Weitere ca. 7 km landeinwärts, nach Torpe findet man den Lago del Posada. Ein schöner Süßwassersee an dem man auch Angeln kann. Allerdings haben wir uns vermutlich als Schwarzfischer betätigt.
Sardinien ist immer noch ein Traumferiengebiet. Wenngleich dies immer mehr Urlauber erkennen und auch nutzen. An den Küsten wird viel gebaut, jedoch alles im sardischen, ländlichen Stil. Betonburgen und sonstige bauliche Umweltsünden findet man nicht. Viele sind im Campingmobil unterwegs und fahren die Insel ab. Wildcampen ist auf Sardinien erlaubt, aber es gibt auch einige Bed & Breakfast Unterkünfte. Wir werden auf jeden Fall zurückkehren und sind bei dieser Reise zu folgender Erkenntnis gekommen: Je eher, desto besser.
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