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Meine ersten Eindrücke von Shanghai (Reisebericht) Drucken E-Mail
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Geschrieben von Michael Gerstel   
Samstag, 28 Januar 2006

Shanghai bei NachtIch sitze im Flugzeug Richtung Shanghai. Etwas über 12 Stunden soll der Flug von München nach Shanghai dauern. Mein erster geschäftlicher Aufenthalt in China. Ich weiß so gut wie nichts über das Land, die Leute und ich spreche auch kein Wort chinesisch.
Neben mir sitzt offensichtlich ebenfalls ein Geschäftsreisender. Er markiert gerade Texte auf verschiedenen ausgedruckten E-Mails. Der Herr ist sehr gut gekleidet und nimmt anscheinend seine Arbeit sehr ernst. Doch dann bemerke ich das es gar keine Businessreports sind. Nein, das sind E-Mails von Arbeitskollegen die bereits schon in Shanghai waren. Der Inhalt der E-Mails geht nur um das eine Thema „Sex und Massage“. 

Etwas verwundert bin ich schon. Der als seriös anmutende Mann hat anscheinend nicht nur seine Geschäftstermine im Kopf. Unglaublich welche detaillierten Empfehlungen sich in den E-Mails befinden. Nachdem ich einige Sätze daraus entnommen habe, meldete sich mein schlechtes Gewissen. Mich gehen doch die E-Mais überhaupt nichts an. Also bestellte ich mir noch zwei Gläser Rotwein und drehte mich schlafend zur Seite.

In Shanghai angekommen werde ich von einem jungen Mädchen aus unserer Firma abgeholt. Sie spricht absolut kein Englisch. Die Fahrt vom Flughafen in die Mitte von Shanghai war aufregend. Die Fahrweise des Taxifahrers ähnelt eher an ein Stockcar-Rennen. Augen zu und mitten durch. Verblüffend sind auch die Fahrzeuge. VW Santana ist hier wohl die meist gefahrene Automarke, kein Taxi, dass nicht ein alter Santana ist. Doch dann kapiere ich, die Marke ist hier immer noch als Neuwagen zu haben.

Im Hotel angekommen verlässt mich auch schon meine Begleiterin und verabschiedet sich in Zeichensprache und einem Lächeln. Schon komisch wie viel Distanz hier zwischen den Menschen herrscht. Ich weiß weder wo sich unser Büro befindet, noch wie ich jetzt meine Chef kontaktieren kann.

Also inspiziere ich erstmal das Hotelzimmer. Es ist sauber und großzügig. Im Bad finde ich dann zwei Mineralwasserflaschen mit einem Hinweis diese zum Zähneputzen zu benutzen, weil das Leitungswasser dafür nicht geeignet ist. „Na super, dachte ich, wo bist du hier hingeraten?“

Das Telefon klingelt und mein Chef ist am anderen Ende der Leitung. Er lädt mich zum Essen ein. Ich soll doch in die „Ming-Ling-Lu“ (oder so ähnlich) in das Hotel Emperial kommen. Wie? Was? Wohin? Ming..Sing..oder…Ling? Ich verstehe kein Wort. Er meinte, ich solle mir genau die Aussprache merken, da diese sehr wichtig im Chinesischen sei und an der Rezeption würden sie mir dann einen Zettel für den Taxifahrer schreiben.

OK. Ich machte das, doch schon an der Rezeption kam das nächste Problem. Laut meiner Aussprache gibt es so eine Straße nicht. Auch das Hotel ist unbekannt Ich probiere es noch mal, meine Erinnerung an die exakte Aussprache schindet. Nach einigen Versuchen schreiben mir nun die mittlerweile fünf Damen und Herren einen Zettel und setzen mich in das Taxi.

Es geht los. Der Taxifahrer redet mit mir ununterbrochen chinesisch. Keine Ahnung was er von mir will. Nun beginnt er auf alle Hotels die wir passieren zu zeigen. Und sagt immer ein und denselben Satz. Ich glaube der Fahrer weiß nicht wohin er mich bringen soll. Mein Handy klingelt. Es ist mein Chef. Er fragt, wo ich bleibe. Von meinem Hotel bis zum Restaurant sollte es maximal 10 Minuten dauern. Ich sitze allerdings schon fast eine halbe Stunde im Taxi. Da mein Chef auch kein chinesisch spricht, konnte er mir nicht weiterhelfen. Er meinte ich sollte eventuell das Taxi wechseln und es noch mal probieren.
Der Taxifahrer biegt jetzt in eine kleine Seitenstrasse ein. Leicht gekleidete Mädchen laufen am Straßenrand. Wieder der gleiche Satz. Aha… jetzt verstehe ich, er hat mir die ganze Zeit die so genannten Massage-Bars der verschiedensten Hotels gezeigt. Ich erinnerte mich zurück an meinen Sitznachbarn im Flugzeug.

Jetzt biegen wir wieder auf die Hauptstrasse ein. Ein Bus versucht in der engen Strasse zu wenden. Kein leichtes Unterfangen, da die heranfahrenden Autofahren keinen wie in Deutschland üblichen Abstand zum Bus lassen. Bis auf wenige Zentimeter fahren Sie an den Bus heran, so dass dieser schon fast keinen Spielraum für sein Manöver hat. Zentimeterweise fährt er hin und her und die Autofahrer hupen. 10 Minuten später hat der Bus es geschafft. In Deutschland, mal abgesehen davon dass kein Busfahrer in einer solchen Straße gewendet hätte, wäre mit dem entsprechenden Abstand die ganze Situation in einer Minute erledigt gewesen.

Nach etwa 100 Metern bin ich dann am Ziel. Unglaublich es ist das richtige Hotel. Ein Stein fällt mir von Herzen, wer weiß wo ich sonst gelandet wäre. Wahrscheinlich würde ich heute noch in Shanghai nach meinem Hotel suchen.

Während ich aussteige verabschiedet sich der Taxifahrer mit einem breiten Lächeln. Die Fahrt hat umgerechnet 70 Cent gekostet. Die Erinnerung ist aber unbezahlbar.

Strassenschild in ShanghaiJedem Chinareisenden gebe ich deshalb diese Ratschläge. Verlassen Sie sich nie darauf, dass die Taxifahrer in China Englisch spricht. Falls Sie doch einmal einem englisch sprechenden Taxifahrer begegnen, können Sie sich glücklich schätzen. Vergessen Sie deshalb nie eine Karte Ihres Hotels und vergewissern Sie sich ob die Adresse auch in chinesischer Schreibweise darauf vermerkt ist. So kommen Sie mit Sicherheit wieder zurück zum Ausgangspunkt.

Mittlerweilen komme ich ganz gut in Shanghai zurecht. Mit ein paar Regeln und vielen Zetteln kommt man sehr gut von A nach B. Auch der erste Eindruck Shanghai wäre die Hochburg des Sextourismus hat sich nicht bestätigt. Es gibt viel zu erleben, die Stadt ist relativ sicher und es gibt auch sehr empfehlenswerte Massagestudios ohne jeglichen anrüchigen Gedanken.

Einige Bars und auch ein Massagestudios werde ich in einem weiteren Bericht empfehlen.

Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 25 März 2007 )
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